F.M. Alexander-Technik:


Ein einzigartiger und durchdachter Ansatz zur Schmerzlinderung, Haltungsverbesserung und Entspannungsförderung

Die F.M. Alexander-Technik, eine Methode zum Umlernen von Haltungs- und Bewegungsmustern, bietet uns einen Weg, uns jene Gewohnheiten bewusst zu machen, die dem Bauplan unseres Körpers zuwiderlaufen. Sie wird als Umlernprozess gesehen, weil wir uns alle an eine Zeit in unserer Kindheit erinnern können, in der wir mehr im Einklang mit unserem natürlichen Bauplan zu funktionieren schienen, bevor wir begonnen haben vom Weg abzukommen und schlechte Gewohnheiten zu entwickeln. Solche Gewohnheiten zeigen sich sowohl in Bewegungen als auch in Körperhaltungen bei Arbeit und Spiel. Und sie zeigen sich auch in Haltungen, die wir beim Ausruhen einnehmen. Sie behindern nicht nur Zentrierung sondern auch Koordination des Körpers und können Müdigkeit und Schmerzen verursachen. Die F.M. Alexander-Technik lehrt ein einfaches aber subtiles Verfahren, schrittweise solche Gewohnheiten abzulegen, was dem natürlichen Funktionieren wieder Raum gibt.

In einer typischen Unterrichtsstunde werden ganz alltägliche Bewegungen untersucht, wie etwa Niedersetzen, Aufstehen, sich Bücken um etwas aufzuheben. Entstehen dabei unnötige chronische Anspannungen, die der Bauplan des Körpers gar nicht verlangt? Hat sich die Zentrierung beim Sitzen und Stehen mit der Zeit verändert? Schüler antworten auf solche Fragen meistens, nie etwas bemerkt zu haben, oder es nicht wirklich sagen zu können. Mit einer neugierigen Einstellung
beginnt man solche Gewohnheitsmuster aufzudecken.

Der Lehrer leitet den Schüler mit seinen Händen an, eine Tätigkeit auszuführen ohne die gewohnten Muster zu vollführen, wobei der Schüler bestimmte Anweisungen denkt. Dieser Prozess erlaubt dem Körper schrittweise sich gemäß seinem natürlichen Bauplan zu koordinieren, was durchwegs effizienter und ökonomischer ist als das Gewohnte. Eine typische Alexander-Stunde beginnt zunächst mit den oben beschriebenen Aktivitäten, anschließend liegt der Schüler auf einem Tisch oder einer Bodenmatte, während die Hände des Lehrers den Körper des Schülers in Länge und Breite lockern, indem sie verspannte Bereiche einladen loszulassen und dem Atem erlauben mit größerer Leichtigkeit zu fließen.

F.M. Alexander hat herausgefunden, dass der Schlüssel zum schlechten Gebrauch von Haltung und Bewegung physikalisch in der Wirbelsäule und in der Beziehung zwischen Kopf und Wirbelsäule liegt, und zwar sowohl in der Bewegung als auch im Ruhezustand. Die Schwerkraft zieht uns immer nach unten, aber die Wirbelsäule dient als Anti-Schwerkraft-Instrument, das uns immer nach oben in die Länge zieht sodass der Kopf am oberen Ende frei balancieren kann, wie dies in der frühen Kindheit der Fall ist, oder in manch anderen Kulturen als der unseren ein Leben lang. Wenn diese Grundstruktur aus dem Gleichgewicht gerät - was geschieht, wenn wir in uns zusammensacken - kann die Haltungsmuskulatur ihre Arbeit nicht mehr leisten und der Kopf kippt unbewusst nach hinten, was zu Komplikationen führt (dies ist häufig zu beobachten bei Menschen, die am Computer arbeiten). Eine steife Haltung einzunehmen ist ebenso unbefriedigend. Die Alexander-Technik befähigt uns unnötig angespannte Muskel loszulassen und die Tiefenmuskulatur durch gedankliche Anweisungen wieder zu betätigen, und dies zunächst mithilfe der Hände des Lehrers. Hat man einmal umgelernt, werden die „Anti-Schwerkraft-Muskel“ wieder „Vollzeit“ arbeiten, wie es die Natur beabsichtigt hat. Wenn wir gelegentlich vom Weg abkommen, erinnert uns das Unbehagen daran, unsere gedanklichen Anweisungen zu wiederholen.

F.M. Alexander-Technik ist weder Massage noch Körperarbeit


Die Einzigartigkeit der F.M. Alexander-Technik liegt darin, dass - ungeachtet der Führung durch die Hände des Lehrers - der Hauptanteil der Arbeit vom Schüler mental erfolgt, indem er versucht sich selbst anzuweisen. Einzigartig ist auch, dass der Alexander-Lehrer den Schüler nicht berührt ohne sich selbst bei der Arbeit die grundlegenden mentalen Anweisungen zu geben und so das zu praktizieren was er lehrt. Man wird keinen Alexander-Lehrer sehen, der sich über seinem Schüler zusammenkrümmt, wie dies oft bei Pflegepersonal, Ärzten und Physiotherapeuten mit ihren Patienten zu sehen ist. Der Lehrer kann solcherart mit seiner Energie haushalten und arbeitsbedingte Schmerzen vermeiden. Dem Schüler ermöglicht die Technik, eine gute Zentrierung wiederherzustellen, Rücken-, Nacken- und andere Schmerzen zu beseitigen sowie Stärke der Struktur, Gleichgewicht, Flexibilität und Energie zu steigern. Unter ausübenden Künstlern - Schauspielern, Tänzern, klassischen Sängern und Musikern – ist die Technik allgemein bekannt, aber sie ist für jeden anderen Menschen von Relevanz.

Und wenn auch die Aussage stimmt, dass die Alexander-Technik eine praktische Unterrichtsmethode für psycho-physisches Umlernen ist, so ist sie doch unvollständig. Viele Schüler kommen zu dieser Technik wegen ihrer therapeutischen Implikationen. Der entscheidende Unterschied ist, dass ein wie auch immer gearteter therapeutischer Nutzen sich beim Erlernen der Technik indirekt ergibt. Gesundheitliche Besserungen treten oft als indirekte Folge der Auflösung von Gewohnheitsmustern ein.

Die F.M. Alexander-Technik basiert auf zwei zentralen Ideen. Erstens, dass eine dynamische Beziehung zwischen Kopf und Wirbelsäule unsere Körperkoordination bei jeder Tätigkeit steuert, entweder in der Weise, dass sie unser allgemeines psycho-physisches Befinden verbessert, oder dass sie im Gegenteil für dieses Befinden schädlich ist. Zweitens, dass ein wesentlicher Aspekt des menschlichen Bauplans die funktionale Einheit von Geist und Körper ist und dass deshalb Methoden grundlegend mangelhaft sind, wenn sie versuchen Verhalten zu verändern, indem sie jeweils nur einen - nämlich den physischen oder den geistigen Aspekt unseres Seins - in Betracht ziehen.

Alexanders psycho-physischer Ansatz versucht erlernte Gewohnheiten des falschen Gebrauchs anzusprechen, die jene Haltungsmechanismen beeinträchtigen, welche Bewegung und Koordination steuern. Die Alexander-Technik ist eine Unterrichtsdisziplin und keine Therapie oder Behandlung. Wenn wir Gewohnheiten der Verspannung und des schlechten Körpergebrauchs erlernen, die unsere Koordination beeinträchtigen, so können wir auch lernen, diese Verhaltensmuster zu verändern. Die Technik behandelt keine Symptome direkt, sondern unterweist den Schüler, sich seiner Gewohnheiten bewusst zu werden, neue Möglichkeiten zu denken und Verantwortung für konstruktive Veränderung zu übernehmen.

Alexander-Schüler liegen nicht passiv auf einem Tisch, um eine Behandlung am Körper zu bekommen. Sie sind während des Unterrichts völlig wach und bewusst, aktiv beteiligt und selbstverantwortlich; eingebunden in einen Prozess, in welchem sie lernen, ihre gewohnten Reaktionen auf bestimmte Reize besser kennen zu lernen. Dies steht in einem klaren und scharfen Kontrast zu Massage oder Körperbehandlung, bei der der Klient auf einem Tisch liegend sich passiv einer Behandlung seiner Muskulatur vom Fachmann unterzieht.

Das gemeinsame Element zwischen Massage und F.M. Alexander-Technik ist, dass die Praktiker ihre Hände benützen, um zu kommunizieren und Veränderung zu bewirken. Aber die praktischen Techniken eines Massagetherapeuten und eines Alexander-Lehrers haben nichts gemeinsam. Alexander-Lehrer reiben, stoßen oder ziehen nicht das Muskelgewebe, noch manipulieren oder behandeln sie es auf andere Weise.

Der F.M. Alexander-Lehrer unterzieht sich einer strengen, 3-jährigen Ausbildung im speziellen und hoch qualifizierten Gebrauch seiner Hände, und die Ausbildung umfasst mindestens 1600 Stunden. Dies ist bedeutend umfassender als die notwendige Ausbildung in Techniken der Massage.

F.M. Alexander-Technik ist keine medizinische Behandlung


F.M. Alexander-Technik kuriert keine Krankheiten und ist auch keine Behandlungsmethode. Sie ist ein Lernprozess, der, um von Nutzen zu sein, vom Schüler erlernt und mit der Zeit bewusst in die Praxis umgesetzt werden muss. Sie ähnelt mehr dem Prozess beim Erlernen des Klavier- oder Tennisspielens. Je besser man unterrichtet wird und je mehr man lernt und das Gelernte anwendet, umso höher das Niveau des Könnens und der Darbietung.

Die Technik ist auch nicht „alternativ“. Ein Alexander-Lehrer würde einem Schüler niemals empfehlen, die Technik zu erlernen, anstatt geeignete Betreuung für eine Krankheit oder andere physische Symptome durch einen kompetenten Arzt zu suchen. F.M. Alexander-Lehrer behaupten nicht, dass die Technik eine andere Art von Medizin sei, oder gar ein Ersatz für medizinische Behandlung.

Streng genommen ist die Technik auch nicht „komplementär“ zu sehen. Seit mehr als 100 Jahren wird die Technik als eigenständige Disziplin praktiziert, ihr Markenzeichen besteht darin, dass sie allein um des Prozesses willen erlernt wird, sich selbst zu entdecken und zu erfahren. Weder Ärzte, noch Masseure können das tun, wozu Alexander-Lehrer methodisch und gründlich ausgebildet werden. Alexander-Lehrer sind hoch qualifizierte Fachleute auf ihrem eigenen Gebiet.

Die eigenständige Position – und gleichzeitig das Dilemma – der F.M. Alexander-Technik besteht gerade darin, dass sie in keine herkömmliche Klassifikation hineinpasst. Es handelt sich weder um Medizin, noch um Behandlung oder Heilverfahren. Sie ist auch nicht alternativ oder komplementär. Sie kann auch nicht einfach mit Klavier- oder Tennisunterricht verglichen werden. Die Technik ist ein Ansatz zur Selbstbeobachtung, bei dem gesundheitliche Besserungen indirekt eintreten, aber nicht deren einziges oder wichtigstes Ziel sind.

Sehr oft beginnt ein Schüler mit Alexander-Stunden wegen Muskelschmerzen oder Haltungsproblemen, um nach mehreren Stunden den Unterricht fortzusetzen, weil er entdeckt, dass der Nutzen, den er erfährt, viele andere Bereiche seines Lebens erfasst. Geht ein Patient, der einen Arzt wegen seiner Knieschmerzen aufsucht, weiterhin zu diesem Arzt, sobald seine Schmerzen vorbei sind? Bestimmt nicht. Dagegen setzen viele Alexander-Schüler ihr Studium der Technik wegen deren nachhaltiger und sich vertiefender Auswirkung über Jahre hindurch fort.

Das Beispiel zeigt, dass die Technik keine Heilbehandlung im herkömmlichen Sinn ist, sondern ein Lernprozess. In vielen Fällen kann das Befinden, das durch chronisch schlechte Koordination beeinträchtigt ist, wesentlich verbessert werden, aber die Zielsetzung der Technik umfasst ein viel breiteres Spektrum und geht weit über den Zweck und die Ziele medizinischer Praxis hinaus.


Was geschieht im Unterricht?


Eine typische Unterrichtsstunde dauert etwa 45–50 Minuten. Während dieser Zeit werden gesteigerte Entspannung durch verbale Instruktion und behutsam führende Hände erlebt. Dieser Erfahrungsprozess lehrt, die nicht optimalen Muster körperlichen Verhaltens herauszufinden und zu verhindern.

In kurzer Zeit gelingt es, neues Verständnis für nicht vertraute Bewegung zu erzielen. Die Technik ist weder Therapie noch Massage und sie enthält auch keinerlei medikamentöse Behandlung.

Der Lernprozess beginnt üblicherweise mit einem Stuhl und schärft das Bewusstsein dahin gehend, wie man sitzt und steht. Ein Teil des Unterrichts beinhaltet auch das Liegen in der aus der klassischen Alexander-Technik stammenden entspannten Rückenlage, um maximale Unterstützung und Erleichterung für den Rücken zu bieten.

Allmählich wird begonnen, unnötige Spannungsgewohnheiten, die vom Erkennen natürlicher Leichtigkeit abhalten, zu realisieren und behutsam loszulassen.


Thomas Glen Cook:


1995 lernte ich an der Universität Utah, und dann 1997 an der Juilliard Schauspielschule in New York City, die F.M. Alexander-Technik kennen und erkannte, dass sie die Basis für alle Arten des Trainings bildet, weil man damit am besten im körperlichen und geistigen Gleichgewicht bleibt. 2004 beschloss ich, mich selbst zum Alexander Lehrer an der Mathews School in New York City ausbilden zu lassen. Den Abschluß meiner Ausbildung absolvierte ich in Wien.